Sicherheit, Identität und die Herstellung politischer Ordnung

Ich bin Wissenschaftler der Internationalen Beziehungen und forsche zu internationaler Sicherheit, politischer Ordnung und Global China. Mich interessiert, wie Sicherheit, Legitimität und politische Ordnung in Beziehungen, Institutionen und alltäglicher Praxis entstehen und aufrechterhalten werden – besonders dort, wo formale Strukturen schwach, umstritten oder politisch uneindeutig sind. Zunehmend frage ich auch, ob dieselben Logiken in institutionell gefestigten Kontexten tragen.

Meine Arbeit umfasst zwei miteinander verbundene Forschungsprogramme: relationale Sicherheit und Global China sowie die Entstehung politischer Identität und Gemeinschaft in Taiwan, insbesondere durch Transitional Justice, Erinnerung und umstrittene Souveränität. Im Rahmen meines derzeitigen Fellowships am Fairbank Center der Harvard University entwickle ich den Taiwan-Schwerpunkt weiter und untersuche unter anderem, wie Transitional-Justice-Prozesse Identität, Legitimität und die Grenzen politischer Zugehörigkeit prägen.

Skyline von Taipeh mit Taipei 101, gestaffelten Bergen und grünen Hügeln

Hou Family Fellow in Taiwan Studies

Fairbank Center for Chinese Studies, Harvard University

September 2026 – 31. August 2027

Am Fairbank Center entwickle ich Forschung zu taiwanischer politischer Identität und Transitional Justice und untersuche, wie Erinnerung und Aufarbeitungsprozesse Identität, Legitimität sowie Grenzen von Inklusion und Exklusion prägen. Ein damit verbundener Strang erweitert diese Fragen international um Anerkennung, Diplomatie und die Beziehungen Taiwan–Somaliland und verortet Taiwan in breiteren Debatten über umstrittene Souveränität und internationale Ordnung.

Portrait of Felix Brender 王哲謙

Forschung

Meine Forschung verbindet zwei Programme zu internationaler Sicherheit und umstrittener politischer Ordnung, empirisch mit Schwerpunkten auf Global China und Taiwan. Beide fragen danach, wie Sicherheit, Legitimität und praktische Wirksamkeit in politischen Beziehungen entstehen.

Relationale Sicherheit (Relational Security) & Global China

Dieses Programm untersucht, wie Sicherheit und politische Ordnung in Beziehungen, alltäglicher Praxis sowie formellen und informellen Institutionen entstehen. In meiner Promotionsforschung in Juba habe ich mit mehrsprachiger ethnografischer Feldforschung und rund 100 Interviews untersucht, wie chinesische Bewohner Risiken wahrnahmen und Sicherheit durch Reziprozität, Vertrauen und soziale Einbettung herstellten. Daraus entwickle ich einen relationalen Sicherheitsansatz, der verbreitete Annahmen über eine besondere chinesische Risikobereitschaft in Hochrisikoumfeldern infrage stellt.

Diese Arbeit bildet inzwischen die Grundlage einer breiteren Forschungsagenda zu relationaler Sicherheit, Mikrogeopolitik, Peacebuilding und Chinas sich wandelnder Rolle in der internationalen und regionalen Sicherheit, insbesondere in Afrika und der arabischen Welt. Mein aktuelles Projekt verfolgt diese Fragen nun im Golf weiter. Dort bieten starke Staaten, Regeln, die tatsächlich durchgesetzt werden, und parallel bestehende Sicherheitsbeziehungen zu den USA und zu China einen anspruchsvolleren Test des relationalen Arguments.

  • Internationale Sicherheit
  • Relationale Sicherheit
  • Global China
  • Politische Ordnung
  • Mikrogeopolitik (Microgeopolitics)
  • Konflikt & Peacebuilding
  • China in Afrika
  • China & arabische Welt

Taiwan, Identität & umstrittene politische Ordnung

Dieses Programm untersucht, wie taiwanische politische Identität durch Erinnerung, Institutionen und politische Narrative entsteht und umkämpft wird, mit besonderem Augenmerk auf Transitional Justice als Prozess der Identitätsbildung. Mich interessiert insbesondere, wie Transitional-Justice-Mechanismen politische Gemeinschaft und Legitimität mitbestimmen und wie die Aufarbeitung autoritärer Herrschaft zugleich neue Grenzen von Inklusion und Exklusion ziehen kann.

Ein damit verbundener Strang untersucht Taiwans internationale Positionierung unter Bedingungen umstrittener Souveränität, einschließlich Anerkennung, Diplomatie und der Beziehungen Taiwan–Somaliland. Er fragt, wie Taiwan seine politische und diplomatische Identität in internationaler Praxis hervorbringt und vertritt und wie nicht oder nur teilweise anerkannte politische Einheiten jenseits konventioneller Anerkennungskonkurrenz internationale Handlungsfähigkeit entfalten.

  • Taiwan
  • Politische Identität
  • Transitional Justice
  • Anerkennung & Diplomatie
  • Umstrittene Souveränität
  • Somaliland
  • Indo-Pazifik
  • Internationale Ordnung

Beide Programme verbindet die Frage, wie Sicherheit, Legitimität und politische Handlungsfähigkeit entstehen, wenn formelle Institutionen und Kategorien politische Beziehungen nicht vollständig bestimmen – und was dies für politische Ordnung bedeutet.

Ausgewählte wissenschaftliche Publikationen

Zeitschriftenartikel

Teaching Sleeping Dogs New Tricks? Transitional Justice as Identity-Building.

Open Cultural Studies, 6(1), 2022, 12–24.

Untersucht Transitional Justice als Prozess politischer Identitätsbildung in Taiwan.

Buchkapitel · im Erscheinen

People of and by the Sea: Materiality of the Ocean in Creating and Maintaining Taiwanese Identity through Foreign Policy.

In Sybille Reinke de Buitrago & Dana Trif (eds.), Materiality and Foreign Policy. Palgrave Macmillan. Accepted for publication; forthcoming, expected 2027.

Untersucht die materielle Rolle des Meeres bei der Konstruktion taiwanischer Identität durch Außenpolitik.

Buchkapitel · im Erscheinen

From Commission to Ministries: German Encounters in Taiwan’s Transitional Justice, 2016–2024.

In Ann Heylen & Jens Damm (eds.), Taiwan as a Contact Zone. Forthcoming.

Zeichnet die deutsche Auseinandersetzung mit Taiwans Transitional-Justice-Institutionen von der Kommission bis zu ministeriellen Strukturen nach.

Buchkapitel · 2026

No End of a Disgrace: Guantanamo and the Justification of Human Rights Abuses by Russia and China.

Felix Brender, Matthew Heneghan & Hugh Sandeman. In Richard Kotter, Sara Birch, Hugh Sandeman & Andy Worthington (eds.), The Long Road to Closing Guantanamo: Action, Accountability and Justice. Ethics International Press, 2026, pp. 162–193.

Untersucht, wie Russland und China Guantanamo nutzen, um die menschenrechtliche Glaubwürdigkeit der USA infrage zu stellen und Kritik abzuwehren – einschließlich Pekings Xinjiang-Narrativen.

Buchkapitel · im Erscheinen

Introduction: Reconfiguring Taiwan Studies through Methodological Innovation.

Amélie Keyser-Verreault, Josie-Marie Perkuhn & Felix Brender. In A. Keyser-Verreault, J.-M. Perkuhn & F. Brender (eds.), Taiwan Studies Reconfigured: Islands of Inquiry. Routledge. Forthcoming.

Führt in den methodischen Ansatz des Bandes ein und zeigt, wie sich Taiwan Studies methodisch neu denken lassen.

Lexikonbeitrag

Transitional Justice.

In Hsin-huang Michael Hsiao (ed.), Encyclopaedia of Taiwan Studies. Brill, 2023.

Gibt einen Überblick über Transitional Justice in Taiwan und ihre politische Entwicklung.

Herausgeberband · im Erscheinen

Taiwan Studies Reconfigured: Islands of Inquiry.

Amélie Keyser-Verreault, Josie-Marie Perkuhn & Felix Brender (eds.). Routledge. Forthcoming.

Sammelband zu methodischer Innovation und neuen Zugängen in den Taiwan Studies.

Ausgewählte wissenschaftliche Publikationen sowie angenommene und im Erscheinen befindliche Arbeiten. Wo verfügbar, führen die Titel zu offiziellen Verlags- oder Artikelseiten.

Aktuelle Forschung & Publikationspipeline

Eingereichte Artikel / im Begutachtungsverfahren

„When Does the Everyday Become Geopolitical? Microgeopolitics and the Politics of Evidence“ — bei Geopolitics eingereicht.

„An Alternative to What? Developmental Peace and the Construction of a Chinese Peacebuilding Model“ — bei Cooperation and Conflict im Begutachtungsverfahren.

Artikel in Vorbereitung

„Performing Taiwan Internationally: ROC Rearticulation and Recognition beyond Recognition in Somaliland“ — Artikel in Vorbereitung. Untersucht, wie wechselseitige diplomatische Praxis es fortbestehenden Institutionen der Republik China (ROC) ermöglicht, Taiwan nach außen zu vertreten und eine Taiwan-zentrierte diplomatische Identität auch ohne formelle Anerkennung zu stabilisieren; weitere Interview-Feldforschung ist geplant.

Eingereichtes Buchkapitel

„After Marriage Equality: LGBTQ Family Citizenship and Uneven Legal Reform during Tsai Ing-wen’s Second Term, 2020–2024“ — bei den Herausgeberinnen Isabelle Cockel und Sabella Ogbobode Abidde für Tsai Ing-wen and Taiwan: An Assessment of the Second Administration, 2020–2024 eingereicht; das Gesamtmanuskript wird derzeit von Bloomsbury Academic geprüft.

Untersucht, wie LGBTQ-Gleichstellung in Taiwan in Familienrecht, Migration, Reproduktion und rechtlicher Geschlechtsanerkennung unterschiedlich stark institutionalisiert wurde.

Internationales Profil & Feldforschung

Meine akademische Ausbildung, Forschung, Feldarbeit und berufliche Praxis erstrecken sich über Nordamerika, Europa, Afrika, den Golf und Ostasien. In London habe ich Internationale Beziehungen und Anthropologie studiert, in Paris und Pretoria Forschungsaufenthalte absolviert, in Juba und Taipeh längerfristig Feldforschung betrieben und beruflich in den VAE und Saudi-Arabien gearbeitet.

Dabei habe ich wissenschaftliche, policy-bezogene und berufliche Netzwerke in mehreren Regionen aufgebaut. Sie erleichtern vergleichende Forschung, Feldzugang und grenzüberschreitende Zusammenarbeit und prägen einen Zugang zur internationalen Politik, der Regionen nicht als voneinander abgeschlossene Fälle behandelt.

London
Paris
Juba
Taipeh
Boston
Pretoria
Dubai

Akademisches Engagement

Ich engagiere mich im akademischen Austausch durch redaktionelle Arbeit und die Beauftragung von Fachanalysen für LSE IDEAS / China Dialogues. Zudem moderiere, kommentiere und organisiere ich regelmäßig Konferenzpanels bei EISA, ISA/ISSS und ASA.

Darüber hinaus verfüge ich über langjährige Erfahrung im Mentoring und in der Betreuung von Studierenden auf Bachelor- und Masterebene.

Lehre & Forschungsmethoden

Ich lehre Internationale Beziehungen, globale Politik, Diplomatie und internationale Organisationen auf Bachelor- und Masterebene in Großbritannien, Kontinentaleuropa und China. In meiner Lehre verbinde ich theoretische Debatten mit aktuellen politischen Fragen, empirischer Forschung und Policy-Praxis.

Meine Forschung ist mehrsprachig und feldforschungsbasiert. Sie verbindet ethnografische Feldforschung, leitfadengestützte Interviews, teilnehmende Beobachtung, Diskurs- und Dokumentenanalyse sowie die Arbeit mit mehrsprachigen Primärquellen auf Mandarin, Englisch und Arabisch.

Ausgewählte Lehre

The Chinese University of Hong Kong, Shenzhen

International Organisation — Kursleitung & Dozent · Bachelor

Introduction to Diplomacy — Kursleitung & Dozent · Bachelor

London School of Economics and Political Science

Contemporary Issues in International Relations — Seminarleitung · BSc International Relations, LSE

Global Politics in the 21st Century — Seminarleitung · Bachelor-Gastprogramm, UC Davis an der LSE

Theory and Practice of International Relations — Seminarleitung · Bachelor-Gastprogramm, Universidad Europea de Madrid an der LSE

Heidelberg University

Conference Interpreting: German into English — Kursleitung & Dozent · Master

Forschungsmethoden

Leitfadengestützte Interviews · Teilnehmende Beobachtung · Ethnografische Feldforschung · Diskurs- & Dokumentenanalyse · Mehrsprachige Primärquellen · Mandarin / Englisch / Arabisch

Forschungsprogramme & Projekte

Casting the Security Net(Buchprojekt · in Vorbereitung)

Monografiemanuskript in Vorbereitung; Fertigstellung für November 2026 vorgesehen.

Mikrogeopolitik (Microgeopolitics)(Theoretisches Projekt)

Untersucht, wie geopolitische Ordnung durch situierte Akteure, Beziehungen und organisationale Praktiken praktisch wirksam wird und wie sich makrostrukturelle Machtverhältnisse in alltäglichen Formen politischer Beteiligung niederschlagen.

Partnerschaften unter Druck: Chinesische Akteure und die alltägliche Aushandlung von Sicherheit im Golf(Aktuelles Projekt)

Wenn chinesische Einwohner und Unternehmen in den VAE und Saudi-Arabien Schutz benötigen: Wie weit tragen formale Zusagen, und wann entscheiden stattdessen Beziehungen über das Ergebnis? Entlang von Handelsnetzwerken zwischen Juba und Dubai prüft das Projekt, ob relationale Sicherheit auch dort trägt, wo Staaten stark sind und Regeln tatsächlich durchgesetzt werden. Es knüpft an vergleichende Forschung dazu an, wie China in der arabischen Welt sicherheitspolitischen Einfluss ohne konventionelle Bündnisse oder formale Garantien gewinnt.

Taiwan, Identität & umstrittene politische Ordnung(Forschungsprogramm)

Untersucht, wie Transitional Justice, Erinnerung und politische Narrative taiwanische Identität, Legitimität und politische Gemeinschaft prägen, ergänzt um Arbeiten zu Anerkennung, Diplomatie, umstrittener Souveränität und Taiwan–Somaliland.

Policy-Analysen & öffentliche Beiträge

Ich schreibe regelmäßig für Fach- und Policy-Publikationen über China, Taiwan, Sicherheit, Diplomatie und Politik im Globalen Süden. Von Februar 2023 bis August 2026 war ich Project Associate bei LSE IDEAS / China Foresight und gab für China Dialogues Fachanalysen in Auftrag und redigierte sie. Damit bringe ich akademische Forschung mit aktuellen internationalen Entwicklungen ins Gespräch.

Ausgewählte Policy-Analysen und öffentliche Beiträge. Alle Einträge verlinken auf die jeweilige Originalpublikation oder Plattform.

Medien & Expertenkommentare

Diplomatie & berufliche Praxis

Neben meiner akademischen Arbeit verfüge ich über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrung als Konferenzdolmetscher und Berater in hochrangigen diplomatischen und multilateralen Kontexten. Dazu gehören sicherheitsbezogene Verhandlungen und Track-2-Dialoge sowie wiederkehrende Einsätze im Golf.

Diese Arbeit hat mir über viele Jahre unmittelbare Einblicke in die institutionellen und sprachlichen Praktiken gegeben, in denen internationale Politik konkret stattfindet. Aufgrund meiner beruflichen Verschwiegenheitspflicht fließen diese Erfahrungen in die Fragen ein, die ich stelle – zu Verhandlungen, Beziehungen, informeller Praxis und der Kluft zwischen formaler Politik und politischem Handeln –, nicht jedoch in die Datenbasis meiner Forschung.

Ausgewählte berufliche Stationen

Strategische Kommunikation, mehrsprachige Beratung und Konferenzdolmetschen für Regierungen, internationale Organisationen, Hochschulen und Unternehmen.

Mitgründer & Konferenzdolmetscher — con:sens language professionals

2021–heute

Planung und Durchführung internationaler Konferenzen, Koordination mehrsprachiger Teams, Kundenbetreuung und professionelle Kommunikation in komplexen institutionellen Umfeldern.

Praxisfelder

Diplomatie · Multilaterale Governance · Strategische Kommunikation · Konferenzdolmetschen · Interkulturelle Kommunikation · Internationale Verhandlungen

Forschung

Feldforschungsbasierte Arbeiten zu internationaler Sicherheit, Global China, Taiwan und politischer Ordnung.

Policy

Analysen zu China, Taiwan, Diplomatie, Sicherheit und internationaler Ordnung für Fach- und Policy-Publikum.

Praxis

Berufserfahrung in Diplomatie, Konferenzdolmetschen und Beratung.